Tannen sind fast auf der ganzen Welt verbreitet. Unsere heimische Weißtanne fühlt
sich am wohlsten im Gebirge, weil sie erst bei Niederschlägen ab 1000 mm so richtig
gut wächst. Ansonsten ist sie relativ anspruchslos hinsichtlich Nährstoffen oder
Licht - im Gegenteil: sie verträgt wesentlich mehr Schatten als die meisten anderen Baumarten.
In ursprünglichen Wäldern kann sie während der Jugend jahrzehntelang unter dem dichten Schirm
anderer Bäume ausharren und zieht dann auf einmal nach oben, wenn einer der bis dahin beschattenden
Bäume gefällt wird oder natärlicherweise abstirbt.
Andere Baumarten würden hingegen schon nach
weinigen Jahren an Lichtmangel eingehen. Aus diesem Grund gilt die Tanne als ausgesprochene Schattbaumart.
Der Name Weißtanne kommt übrigens nicht von den weißen Wachsstreifen auf der Unterseite der
Nadeln sondern von der silbrig-weißen Färbung der Rinde. Eben wegen der Rindenfärbung wird
beispielsweise die Gemeine Fichte auch als Rottanne bezeichnet. Als verlässliches Unterscheidungsmerkmal
gelten die beiden länglichen Wachsstreifen auf der Nadelunterseite übrigens nur zur Unterscheidung
zwischen Weißtanne und Gemeiner Fichte. Es gibt aber andere Tannenarten ohne weiße Wachsstreifen
und dafür Fichtenarten mit wei�er Färbung der Nadelunterseite.
Tannensämlinge sehen aus wie kleine grüne Sterne, weil die 10-20 Keimblätter alle in einer Ebene
rund um den Stängel angeordnet sind. Im Alter von drei Jahren wird dann der erste Seitenzweig
ausgebildet. Jugendliche Tannen sind sehr gleichmäßig verzweigt, weswegen sie sehr gerne als
Weihnachtsbaum verwendet werden - und weil sie nicht so schnell "nadeln". Sehr alte Tannen
haben ganz oben im Bereich der Spitze ein so genanntes Storchennest, d.h. die oberen seitlichen
Zweige wachsen ebenfalls nach oben, was dann eben wie ein großes Nest an der Baumspitze aussieht.
Stets sicheres Unterscheidungsmerkmal sind bei Tannen die auf den Zweigen nach oben stehenden
Zapfen, die übrigens nie ganz herunter fallen, sondern immer noch auf dem Baum zerfallen, d.h.
die Samen fallen einzeln mit den zugehörigen Samenschuppen ab, bis nur noch die schmale
Zapfenspindel übrig bleibt. Und: Tannennadeln wachsen immer direkt aus dem Zweig, niemals auf
verholzten Nadelhöckern wie bei der Fichte. Tannennadeln haben noch eine weitere Besonderheit:
sie haben im Gegensatz zu den meisten anderen Nadelbäumen keine Harzkanäle. Genau das ist auch der Grund,
weshalb junge Weißtannen von Rehwild wesentlich stärker verbissen werden als andere Nadelbäume.
Im Alter hat die Wei&sztanne eigentlich keine "Feinde" mehr: weder nadelfressende noch rindenbewohnende
Insektenarten haben die Tanne zum Fressen gern. Auch Sturm macht der Tanne wenig aus, da sie mit
ihrer rübenartigen Pfahlwurzel sehr fest im Boden verankert ist. Allerdings sind Weißtannen gegenüber
Luftverschmutzung (v.a. saurer Regen) relativ empfindlich; das Tannensterben ist mit der Einfährung
der Abgasentschwefelung aber deutlich zurückgegangen.
Das Holz der Tanne wird überwiegend als Bauholz verwendet. Früher hat man die Tanne beim Stallbau der
Fichte sogar deutlich vorgezogen, weil Tannenholz wesentlich unempfindlicher gegen Kot und Harn ist.
So genanntem Mondphasenholz sagt man aber noch ganz andere Fähigkeiten nach: im Schwarzwald gibt es
Häuser aus Tanne, die seit Jahrhunderten ohne jedwede Imprägnierung gut ausgehalten haben; sogar der
Kamin aus Tannenholz hat tausende Feuer überdauert ohne selbst zu brennen!