Waldkiefer (Pinus sylvestris)
Baum des Jahres 2007
Familie: Kieferngewächse
Gattung: Kiefern (Pinus)
Klasse: Nadelholzgewächse (Pinopsida)
Die Waldkiefer ist an sich gar nicht selten – aber nur selten steht sie auf den für sie besonders attraktiven Standorten.
Natürlicherweise wird die Waldkiefer von konkurrenzkräftigeren anderen Baumarten auf problematische Standorte verdrängt,
da sie fast alles toleriert, wenn sie nur viel Sonnenlicht hat. So ist sie hauptsächlich auf Extremstandorte verdrängt, wie z.B.
saure und/oder nasse Moorstandorte, trockene bzw. nährstoffarme Sandböden oder klimatisch schwierige Gebirgsstandorte. Da können
dann im Laufe der Zeit begehrte Kiefern-Herkünfte entstehen, z.B. die Bamberger Hauptsmoorkiefer (eine Kiefer mit sehr gleichmäßigem
Jahrringbau, was in der Holz verarbeitenden Industrie sehr gefragt ist und dementsprechend honoriert wird) oder die Selber Höhenkiefer
(eine besonders schmalkronige Kiefer, die entsprechend unempfindlich gegen Schneebruch im Winter ist). Abgesehen von der Schneebruchgefahr
insbesondere der breitkronigen Flachlandkiefer ist die Kiefer ziemlich unempfindlich gegen fast alles: Trockenheit, Hitze, Frost, Insekten,
Pilze usw. Es gibt zwar Insekten, die sich speziell an die Kiefer angepasst haben (z.B. der Waldgärtner – ein Insekt, dass eigentlich
nur in Monokulturen zum gleichmäßigen Nadelverlust bestimmter Triebe führt, was dann eben so aussieht, als ob ein Gärtner
mit einer feinen Astschere am Werk gewesen wäre. Oder eine Pilzerkrankung, den Kienzopf, der nur an Kiefer vorkommt und dann dazu führt,
dass besonders viel Harz gebildet wird; hieraus wurden im Mittelalter die berühmten Kienspäne gewonnen.
Ansonsten wurde die Kiefer seit jeher vielfach genutzt: speziell in den ärmeren Gegenden wurde früher vielfach Streunutzung
betrieben, d.h. die Nadeln vom Waldboden gerecht und als Einstreu für die Viehställe genutzt (daher übrigens auch der
typische Rechen auf den fränkischen Wappen!). Dann wurden die Zapfen zum Anfeuern genutzt, was zu vielfältigen Namen geführt
hat: Kiefernzapfen, Kienäpfel, Kumutschen usw., heute jedoch allenfalls noch zum Basteln (Kiefernwichtel) oder hin und wieder als
natürliches Barometer bzw. Hygrometer: bei anstehender Trockenheit öffnen sich die Zapfenschuppen (um die Samen freizulassen),
bei anstehendem Niederschlag schließen sich die Zapfenschuppen.
Heute wird in manchen Gegenden noch in großem Stil das Kiefernharz gewonnen und für industrielle Zwecke genutzt. Ja, und dann
natürlich das Holz. Zum Verheizen eigentlich viel zu schade, obwohl der Brennwert deutlich höher ist als bei der Fichte (Vorsicht
aber im offenen Kamin, weil Kiefernholz durch den hohen Harzanteil sehr stark „spritzt“). Das rötlich verkernende Kiefernholz
wird vielfach für rustikale Möbel genutzt, aber auch für die Vertäfelung von Bauernstuben. Dann kennt wohl jeder die
Holzregale aus den Baumärkten, die ebenfalls manchmal aus Kiefernholz sind. Ansonsten ist Kiefernholz sehr beliebt bei Sargbauern oder
bei Fensterherstellern, sofern die Jahrringe möglichst gleichmäßig schmal sind.
Das verkernte Holz ist relativ dauerhaft und hält daher auch ohne Imprägnierung eine Zeit lang. Die Bewurzelung ist ein tiefreichendes
so genanntes Pfahlwurzelwerk, das den Baum unempfindlich gegen Windwurf macht.
Die Waldkiefer erkennt man an den schwarzbraunen runden Zapfen, mit den relativ schmalen und langen Zapfenschuppen sowie daran, dass die Nadeln
stets paarweise aus den Trieben kommen. Und bereits aus der Ferne erkennt man ältere Kiefern sehr gut am zweifachen Rindenbild: der untere
Stammbereich hat eine sehr grobe, dicke und dunkle Borke. Der obere Stammbereich hingegen hat eine dünne rötliche so genannte
Schilferrinde. Da die Kiefernrinde Witterungseinflüsse gut abhält und die Baumart auch sonst vergleichsweise unempfindlich ist,
wird sie als einzige Baumart überhaupt im Forst im größeren Stil im Überhalt angebaut. Das heisst, dass die übrigen
Baumarten eines Waldstückes zwar genutzt werden, die Kiefern hingegen noch deutlich länger belassen werden; diese Überhälter
können dann z.B. mit der zweiten übrigen Waldgeneration genutzt werden, wodurch sie besonders dick und imposant werden können.