Baum des Jahres 2011

Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Gattung:
Mehlbeeren (Sorbus)
Die Elsbeere ist eines der "Juwele" europäischer Wälder: der Baum ist nur selten zu finden. Nennenswerte Mengen an Einzelbäumen gibt es in Süddeutschland eigentlich nur in Mittel- und Unterfranken, meist auf tonigen Böden mit nur mäßig viel Niederschlag. Forstlich ist die Baumart wegen außerordentlich hoher Erlöse für Einzelstämme bekannt: Es gab zu DM-Zeiten Spitzenpreise von bis zu 20000.- DM pro Festmeter (Forstamt Sailershausen 1997). Mehrere tausend Euro pro Festmeter Elsbeerenholz sind aber auch derzeit beileibe keine Seltenheit.  Inzwischen ist die Elsbeer-Euphorie in Deutschland wieder etwas abgeebbt. Größere Nachfrage nach dem feinen Holz gibt es aber nach wie vor aus dem Ausland. Die „schöne Else“ wird die Elsbeere im Volksmund genannt, weil der Baum einen so schönen Wuchs hat. Überhaupt hat diese Baumart lokal sehr viele mundartlich verschiedene Bezeichnungen. Das harte und feste Holz erinnert an Birnbaum und wird deswegen auch als Schweizer Birnbaum bezeichnet – ebenso wie gelegentlich auch der verwandte Speierling (Sorbus domestica).
  Das Holz der Elsbeere, kirschähnlich rötlichweiß in der Farbe, und doch leicht gelblichzart in der Farbe wie Birne, ist eines der interessantesten europäischen Hölzer. Es ist zerstreutporig und der Kern ist normalerweise nicht farblich abgesetzt. Verwendung findet das Holz vor allem beim Bau von hochwertigen Messinstrumenten, Musikinstrumenten, Maschinenteilen und ist natürlich sehr gefragt für Drechslerarbeiten. Früher wurden auch die Holzlineale der Schüler daraus gemacht – was für eine Verschwendung.  Die Blätter sind in der Form ahornähnlich bzw. erinnern an das Laub der Roteiche. Sie sind drei- bis fünfpaarig gelappt, glänzend leuchtend grün auf beiden Seiten. Im Herbst erstrahlen sie in mehr oder weniger tiefem rot. Auch die Knospen sind glänzend grün.  Die Elsbeere kommt in Bayern vornehmlich im unterfränkischen Muschelkalkgebiet, auf kalkreichen Standorten des Keupers, im Jura sowie auf der kalkhaltigen Jungmoräne des Fünf-Seen-Landes vor. Vereinzelt findet sie sich ferner im unteren Donautal zwischen Regensburg und Passau. Sie ist aber nicht unbedingt an Kalk im Boden gebunden.
  Die Elsbeere wurde lange Zeit waldbaulich vernachlässigt und ist in den Beständen meist unterdrückt. Dabei ist sie (wie alle Sorbusarten) vergleichsweise lichtbedürftig. Im Gegensatz zu den Kälte ertragenden Verwandten Mehlbeere und Vogelbeere (die beide auch deutlich über 1000 m über dem Meeresspiegel vorkommen und unter anderem deswegen als Pionierbaumarten bezeichnet werden) ist sie aber deutlich wärmeliebender – und mindestens ebenso trockenheitstolerant. Dennoch erträgt sie aber Kälte eigentlich gut und ist auch vergleichsweise resistent gegen Spätfröste. Insofern dürfte diese interessante Baumart in Zeiten des Klimawandels interessante Zukunftsaussichten haben. Die Elsbeere kann über 200 Jahre alt werden. Sie wächst in warmen Lagen auf trockenen und wechseltrockenen Böden. Dann oft nur noch strauchförmig weicht sie der Buche bis an die Trockengrenze des Waldes aus, wohin sie eigentlich auch sonst natürlicherweise meist von sämtlichen konkurrenzstärkeren Arten abgedrängt wird.
  Alte Individuen, die über lange Zeit gefördert wurden oder günstige Lichtbedingungen hatten, erinnern an Eichen. Unterdrückte Exemplare zeigen eine schlanke Krone, die bereits früh in einen Haupttrieb und einen oder mehrere starke, steile Seitenäste aufgeteilt ist.
  Die Elsbeere vermehrt sich häufig vegetativ (also nicht über geschlechtlich gebildete Samen in Früchten) über sogenannte Wurzelbrut, bei der die Triebe aus den oberflächennah wachsenden Wurzeln einige Meter vom Stock entfernt entspringen.
Mit genügend Licht und gut gefördert wächst die Lichtbaumart übrigens zeitweise schneller als die Eiche.