Baum des Jahres 2003

Schwarzerle (Alnus glutinosa)

Die Schwarzerle oder Roterle ist in letzter Zeit selten geworden, da ihre natürlichen Lebensräume kaum noch vorhanden sind: wo gibt es denn noch natürliche Bachläufe, die sich unverbaut durch die Landschaft winden und deren Ufer von Erlen gesäumt sein dürfen? Oder wer hat gar noch einen echten Erlenbruchwald in seiner Nähe? Schließlich wurde ja vielerorts der Grundwasserspiegel abgesenkt und es gibt auch nur noch wenige Bachauen, die regelmäßig überflutet werden.

Wie man unschwer erkennen kann ist die Schwarzerle also ein echter Wasserspezialist: regelmäßig nasse Füße machen ihr nichts aus, sie toleriert sogar stehendes Wasser (im Gegensatz zur Esche, mit der sie des öfteren an den Bachoberläufen vergesellschaftet ist, welche auf Dauer allerdings nur fließendes Wasser erträgt).
Sofern das Grundwasser nicht zu sauer und nährstoffarm ist, gedeiht die Schwarzerle sogar in Nieder- und Übergangsmooren. Im Gegensatz zur Weißerle (oder Grauerle) ist sie nämlich nicht an das Vorhandensein von Kalk gebunden, nur stärkere Beschattung mag sie nicht.
Die Schwarzerle ist allerdings nicht zwingend an das üppige Vorhandensein von Wasser gebunden. Da sie grundsätzlich sehr robust ist, Frost recht gut verträgt und praktisch nicht verbissen wird, wird sie gerne als so genannte Vorwaldbaumart bei großflächigen Aufforstungen verwendet.
Das bedeutet, dass beispielsweise auf frostgefährdeten oder vergrasten Flächen zuerst ein lockerer Schirm von Erlen als Vorwald gepflanzt wird, in dessen Schutz einige Jahre später dann die eigentliche Zielbestockung eingebracht wird.
Genau so funktioniert auch die Sukzession auf Rohböden, z.B. nach Hangrutschen: zuerst kommen Pioniergehölze wie Erle, Birke, Weide und Vogelbeere und werden dann im Lauf der Zeit von stärker Schatten ertragenden Arten verdrängt, sofern nicht eben der Boden für andere Baumarten zu nass ist. Im übrigen hat die Erle eine einzigartige Strategie entwickelt um an den sonst nicht pflanzenverfügbaren Luftstickstoff zu kommen: sie lebt in Symbiose mir einer speziellen Bakterienart, die Luftstickstoff aufnehmen kann.
Diese "Bakterienknöllchen" kann man überall an den Erlenwurzeln finden. Noch eine Besonderheit haben die Erlen: als einzige Laubbaumarten bilden sie als Früchte echte Zapfen aus, so wie sonst nur die Nadelbäume. Allerdings sind diese Zapfen relativ klein, sie werden nur etwa einen Zentimeter lang. Die Samen werden vom Wind verbreitet und wo dann genügend Licht auf den Boden fällt können dann neue Erlen wachsen - vorausgesetzt die Samen wurden nicht zuvor bereits von Vögeln wie dem Erlenzeisig aus den Altbäumen geerntet?
Gefahren durch Tiere bestehen für die Schwarzerle kaum, lediglich in jungen Jahren kann auf sehr sonnigen Flächen ein Befall mit einer speziellen Insektenart, dem Erlenwürger, zu Problemen führen. Wenn die jungen Bäumchen nämlich erst einen Durchmesser von 3-5 cm erreicht haben, kann das Gängebohren der relativ großen Larven des Erlenwürgers dazu führen, dass das verbleibende Holz nicht ausreicht größeren Belastungen standzuhalten: die jungen Bäumchen können dann sehr leicht abbrechen.
Neben dem Verschwinden der natürlichen Lebensräume macht in jüngster Zeit aber noch etwas ganz anderes der Schwarzerle zu schaffen: ein die Wurzel parasitierender Pilz der Gattung Phytophtora bringt ansonsten vitale Erlen zum Absterben. Da gegen diesen Pilz noch keine wirksamen Mittel bekannt sind, kann man nur absterbende Schwarzerlen fällen, um ein Übergreifen des "Erlensterbens" auf die Nachbarbäume möglichst zu verhindern.
Das Holz der Schwarzerle ist rötlich und ein beliebtes Möbelholz. Da die Erle allerdings selten größere Durchmesser erreicht, sind Massivmöbel sehr selten, meist wird Erlenfurnier verwendet. Aber auch zum Räuchern werden Erlen gerne verwendet, von Kennern wird sogar gelegentlich zusätzlich Sägemehl von Erlenholz in die Glut gestreut ("Räuchermehl").