Baum des Jahres 2004

Weißtanne (Abies alba)

 Bild einer Tanne

Tannen sind fast auf der ganzen Welt verbreitet. Unsere heimische
Weißtanne fühlt sich am wohlsten im Gebirge, weil sie erst bei Niederschlägen ab 1000 mm so richtig gut wächst. Ansonsten ist sie relativ anspruchslos hinsichtlich Nährstoffen oder Licht - im Gegenteil: sie verträgt wesentlich mehr Schatten als die

meisten anderen Baumarten. In ursprünglichen Wäldern kann sie während der Jugend jahrzehntelang unter dem dichten Schirm anderer Bäume ausharren und zieht dann auf einmal nach oben, wenn einer der bis dahin beschattenden Bäume gefällt wird oder natärlicherweise abstirbt.

 Bild einer Tanne

 Bild einer Tanne

Andere Baumarten würden hingegen schon nach weinigen Jahren an Lichtmangel eingehen. Aus diesem Grund gilt die Tanne als ausgesprochene Schattbaumart. Der Name Weißtanne kommt übrigens nicht von den weißen Wachsstreifen auf der Unterseite der Nadeln sondern von der silbrig-weißen Färbung der Rinde. Eben wegen der Rindenfärbung wird beispielsweise die Gemeine Fichte auch als Rottanne bezeichnet. Als verlässliches Unterscheidungsmerkmal gelten die beiden länglichen Wachsstreifen auf der Nadelunterseite übrigens nur zur Unterscheidung zwischen Weißtanne und Gemeiner Fichte. Es gibt aber andere Tannenarten ohne weiße Wachsstreifen und dafür Fichtenarten mit wei�er Färbung der Nadelunterseite. Tannensämlinge sehen aus wie kleine grüne Sterne, weil die 10-20 Keimblätter alle in einer Ebene rund um den Stängel angeordnet sind. Im Alter von drei Jahren wird dann der erste Seitenzweig ausgebildet. Jugendliche Tannen sind sehr gleichmäßig verzweigt, weswegen sie sehr gerne als Weihnachtsbaum verwendet werden - und weil sie nicht so schnell "nadeln". Sehr alte Tannen haben ganz oben im Bereich der Spitze ein so genanntes Storchennest, d.h. die oberen seitlichen Zweige wachsen ebenfalls nach oben, was dann eben wie ein großes Nest an der Baumspitze aussieht. Stets sicheres Unterscheidungsmerkmal sind bei Tannen die auf den Zweigen nach oben stehenden Zapfen, die übrigens nie ganz herunter fallen, sondern immer noch auf dem Baum zerfallen, d.h. die Samen fallen einzeln mit den zugehörigen Samenschuppen ab, bis nur noch die schmale Zapfenspindel übrig bleibt. Und: Tannennadeln wachsen immer direkt aus dem Zweig, niemals auf verholzten Nadelhöckern wie bei der Fichte. Tannennadeln haben noch eine weitere Besonderheit: sie haben im Gegensatz zu den meisten anderen Nadelbäumen keine Harzkanäle. Genau das ist auch der Grund, weshalb junge Weißtannen von Rehwild wesentlich stärker verbissen werden als andere Nadelbäume. Im Alter hat die Wei&sztanne eigentlich keine "Feinde" mehr: weder nadelfressende noch rindenbewohnende Insektenarten haben die Tanne zum Fressen gern. Auch Sturm macht der Tanne wenig aus, da sie mit ihrer rübenartigen Pfahlwurzel sehr fest im Boden verankert ist. Allerdings sind Weißtannen gegenüber Luftverschmutzung (v.a. saurer Regen) relativ empfindlich; das Tannensterben ist mit der Einfährung der Abgasentschwefelung aber deutlich zurückgegangen. Das Holz der Tanne wird überwiegend als Bauholz verwendet. Früher hat man die Tanne beim Stallbau der Fichte sogar deutlich vorgezogen, weil Tannenholz wesentlich unempfindlicher gegen Kot und Harn ist. So genanntem Mondphasenholz sagt man aber noch ganz andere Fähigkeiten nach: im Schwarzwald gibt es Häuser aus Tanne, die seit Jahrhunderten ohne jedwede Imprägnierung gut ausgehalten haben; sogar der Kamin aus Tannenholz hat tausende Feuer überdauert ohne selbst zu brennen!