Baum des Jahres 2005

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

eine Rosskastanie

Biergärten in Süddeutschland wären ohne sie undenkbar. Und im Herbst könnte ohne sie viel weniger gebastelt und gespielt werden, sind doch die gleichnamigen glänzend braunen Früchte bei Kindern das liebste Sameine Rosskastaniemelobjekt. Auch für die Zufütterung von Tieren - unter anderem Wild - eignen sich die Früchte in der grünen Stachelkugel, wenn sie erst einmal Frost abbekommen haben  und  die enthaltenen Bitterstoffe allmählich verschwinden. Aber auch zum Ausprobieren der ersten eigenen selbst gezogenen Bäumchen eignen sich die Früchte, da Kastanien relativunproblematisch keimen. Zweifellos ist die Rosskastanie mit den großen leuchtenden Blütenkerzen im Frühjahr eine der beliebtesten und markantesten Baumarten. Weshalb wurde nun ausgerechnet sie zum Baum des Jahres 2005? Ganz einfach, weil man sich Sorgen um die Gesundheit dieser Baumart macht. Schon lange gibt es bei uns eine Pilzerzrankung, die Kastanien-Blattbräune, die an den Blatträndern beginnt und oft die gesamte Blattspreite der gefingerten Blätter braun färbt, bis das Laub keine Photosynthese mehr betreiben kann. Hier ist eine Begrenzung des Neubefalls im darauf folgenden Jahreine Rosskastanie möglich, wenn nach dem Laubfall im Herbst das Laub komplett entfernt wirdeine Rosskastanie, sodass von diesem keine Pilzsporen  unmittelbar auf die neuen Blätter gelangen können. Viel  mehr Sorgen macht aber ein Insekt, dass sich seit Mitte der Neunziger Jahre über Mazedonien in Mitteleuropa ausgebreitet hat: Die Kastanien-Miniermotte Dies ist ein winzig kleines Insekt, das im Jahr zwei bis drei Generationen macht und im Larvenstadium zwischen den Blattadern mitten in der Blattspreite im Schutz der oberen und unteren Cuticula (= Blatthaut) Larvengänge frisst. In diesen Gangminen kann das Insekt relativ sicher und ungestört fressen und sich schließlich verpuppen. Verschont werden lediglich die Rotblühenden Kastanien, die einen bislang noch nicht genau identifizierten Inhaltsstoff enthalten, der dem Insekt nicht behagt.   Vereinzelt werden zwar auch Blätter von Bergahornen befallen, hier findet aber nur eine unvollständige Entwicklung statt, sodass hier erst gar keine adulten Kastanien-Miniermotten schlüpfen können. Spezialisierte natürliche Feinde gibt es leider noch nicht, daeine Rosskastanie sich das Insekt dafür erst viel kurz bei uns angesiedelt hat. Eine mäßige Parasitierung durch unspezifische Schlupfwespen sowie das Aufpicken der Gangmeine Rosskastanieinen durch einzelne Meisen können die Population des Insektes leider nicht wirkungsvoll regulieren. Einen Lichtblick gibt es immerhin: wenn eine Kastanie durch regelmäßigen Insektenbefall stark geschwächt ist (und nicht durch Sekundärschäden letal geschädigt wurde) lässt der Befall vorübergehend nach, weil die Kastanien-Miniermotte ein echter Stärkeparasit ist, der sich in kümmerlich   ausgebildeten  dünnen Blättern nicht entwickeln kann. Das Holz der Rosskastanie wird kaum als Bauholz oder für sonstige holztypischen Zwecke verwendet. Das liegt zum einen daran, dass der Stamm der Rosskastanie genetisch bedingt stets rechtsdrehend ist, d.h. die Holzfasern laufen nicht gerade von unten nach oben wie bei den meisten anderen Baumarten, sondern verlaufen spiralförmig um den Baum herum, sodass sich das Holz beim Trocknen stets verwirft. Hinzu eine Rosskastaniekommt, dass es praktisch kein einwandfreies Kastanienholz starker Dimension gibt: die Rosskastanie gehört zu den nicht Fäule abschottenden Baumarten, d.h. eine erst einmal in den Stamm eingedrungene Fäule breitet sich praktisch ungehindert im ganzen Baum aus. Das ist unter anderem auch ein Grund dafür, dass man so gut wie nie Kastanien findet, die 100 Jahre oder gar noch älter sind. Deshalb ist es speziell bei der Rosskastanie auch so ungeheuer wichtig, dass sie nur von echten Fachleuten gepflegt wird, damit nicht durch unfachgerechte Schnitte der Verfall des Baumes beschleunigt wird.