Baum des Jahres 2008

Bild einer Habitus Gruppe Familie:   Walnussgewächse (Juglandaceae)
Gattung:  Walnuss (Juglans)

Der Baum ist durch die wirtschaftliche Nutzung seiner Früchte allgemein bekannt. Die Kerne der Früchte, die ihre Reife durch eine braun und rissig werdende Schale anzeigen, sind als Walnüsse bekannt und überall im Handel erhältlich. Die größten kommen übrigens meist aus dem sonnigen Kalifornien. Traditionell galten die Früchte der Walnussgewächse in der Botanik als Steinfrüchte. Wahlnussbaum
Aber: Die Walnuss ist tatsächlich eine Nuss.
Eine echte Nuss ist botanisch gesehen eine Schließfrucht mit einem Samen und einer harten Schale. Diese wird aus den Fruchtblättern gebildet und öffnet sich nicht selbständig.  Die Blätter der Walnuss sind besonders "gerbstoffreich" d.h. sie bauen sich langsamer ab als anderes Laub und sind auch für viele Insekten nicht sonderlich schmackhaft. Das Laub der Nussbäume vertreibt Fliegen und sonstigen Fluginsekten, so dass sie seit jeher in den Innenhöfen von Bauernhöfen (neben den dort notwendigen Misthaufen) bzw. zwischen Stallungen und Wohnhaus für einen schattigen und weitgehend fluginsektenfreien Sitzplatz verwendet werden. Da die Blätter sehr gerbstoffreich sind, sollten sie allerdings auch nicht in größeren Mengen kompostiert werden, da dies letztlich eher zu einer Bodenverschlechterung führt. Der Baum reagiert sehr variabel auf Schnittmaßnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Wird im Frühjahr geschnitten, tritt ein sehr starker und langanhaltender Saftfluss ein. Dieser Effekt wird von als "Bluten" bezeichnet. Der Saftfluss ist mit Hilfsmitteln nicht zu stoppen, endet jedoch nach längerer Zeit durch Wundheilung selbstständig. Um diese unangenehmen Effekte zu vermeiden, sollen Schnittmaßnahmen im SomRinde der Wahlnussmer möglichst um Johanni (zeitlich mit der Ernte der Süßkirschen) erfolgen. Hier ist die Wundheilung sehr viel schneller und das „Bluten“ tritt nicht mehr auf. Da zudem Nussbäume bei falschem Schnitt sehr leicht faulen – man spricht von so genannten schlechten Abschottern – sollte deren Pflege in die Hände von Fachleuten gelegt werden. Knospe der Wahlnuss Die echte Walnuss wird gern als ein typischer Vertreter herangezogen, um den Begriff „Allelopathie“ zu erklären. In den grünen Organen wird nämlich ein Glucosid gebildet, welches nach Freisetzung in Juglon umgewandelt wird. Dieses wirkt auf zahlreiche Pflanzenarten keim- und wachstumshemmend. Dadurch vermeidet die Walnuss eine Ansamung von Konkurrenten im direkten Umfeld des Stammes. Die Walnüsse selbst benötigen Frost um ihre Keimhemmung zu verlieren und verlieren darüber hinaus ihre Keimfähigkeit nach etwa einem halben Jahr. Übrigens: der erste Prototyp des Motors von Rudolf Diesel lief mit Nussöl – letzteres ist zwischenzeitlich hierfür viel zu schade und wird daher meist für die Zubereitung besonders schmackhafter Salatkreationen verwendet.

Allein in Deutschland gibt es über 100 Sorten, die sich vor allem durch Nussform und -Größe unterscheiden. Weitere bekannte Vertreter dieser Gattung sind die Schwarznuss (Juglans nigra) und die Butternuss (Juglans cinerea), welche aus Nordamerika nach Deutschland eingeführt wurden.  Die Heimat der Echten Walnuss ist das östliche Mittelmeergebiet und die Balkanhalbinsel sowie Vorder- und Mittelasien. Die heutige Arealabgrenzung fällt schwer, da die Echte Walnuss bereits seit der Jungsteinzeit kultiviert wird. So ist ihre jetzige Verbreitung stark durch den Anbau als Fruchtbaum geprägt: Die Walnuss wurde durch die Römer in weiten Teilen Süd-, West- und Mitteleuropas eingebürgert. In Mitteleuropa kommt sie in der Regel in kultivierter Form auf Bauernhöfen, in Gärten oder als Einzelbaum in der Feldflur vor. Da sie gegen Winterkälte und SpätfröKnospe der Wahlnussste sehr empfindlich ist, findet man sie häufig in wintermilden, nicht zu niederschlagsarmen Lagen wie in den Weinbaugebieten. Sie wächst besonders gut auf tiefgründigen, frischen, nährstoff- und kalkreichen Lehm- und Tonböden. Eine zusätzliche Verbreitung als forstliche Wirtschaftsbaumart hat trotz des hochwertigen Holzes bisher kaum stattgefunden, da die Echte Walnuss als konkurrenzschwache Lichtbaumart gilt und somit nur bedingt für den klassischen Waldbau geeignet ist. Schaft aus Wahlnussholz Der Anbau der Echten Walnuss erfolgt somit in erster Linie wegen des Fruchtertrages und wegen des sehr begehrten Holzes, insbesondere wegen des maserigen Wurzelholzes unterhalb der Veredelungsstelle. Eine forstliche Nutzung setzt schnell- und gradwüchsiges Pflanzmaterial voraus, welches aber derzeit in dieser Form nicht im Handel ist. Die Anzucht in Beständen engt die Kronen ein, was zwar zu einem geringeren Fruchtertrag führt, aber längere astfreie Stammabschnitte zu erzielen hilft. Unter Konkurrenz wachsende Bäume können bis zu 10 m höher werden als Einzelbäume. Im Zusammenhang mit der Wertholzproduktion wurde die Walnuss () mit der Schwarznuss () gekreuzt. Die daraus entstandene Juglans × intermedia soll gerader und schnellwüchsiger sein.

Das Holz der Echten Walnuss ist ein begehrtes Edelholz, dessen Verwendung auf hochwertige Gegenstände beschränkt ist. Da es in der Regel nur als Nebenprodukt bei der Fällung von Fruchtbäumen anfällt und ein gezielter Anbau für die Holzproduktion kaum vorliegt, ist der Verwendung oft ein Riegel vorgeschoben. Dass Nussbäume oft mit dem Wurzelstock ausgegraben werden, ist aber nicht auf die Knappheit zurückzuführen. Die untersten teilweise bis in die Erde reichenden Baumteile sind knollenartig verdickt und Lieferanten für die wertvollsten Maser-Furniere, welche auch Wurzelfurnier genannt und unter anderem für Autoarmaturen verwendet werden. (s.o.) Weitere Verwendung findet das Holz bei Drechslerarbeiten, Schnitzereien und speziell beim Bau von hochwertigen Gewehrschäften.