Baum des Jahres 2012

Europäische Lärche (Larix decidua) Baum des Jahres 2012

Die Europäische Lärche ist in mehrfacher Hinsicht ein untypischer Nadelbaum. Im Gegensatz zu den meisten anderen Baumarten ist sie wechselgrün, d.h. sie verliert – wie Laubbäume – alljährlich im Herbst komplett ihre grünen Nadeln, was ihr im Oktober eine leuchtend gelbe Färbung verleiht. Dafür ist sie beim Austrieb im Frühling um so zarter grün gefärbt.

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Eine weitere Besonderheit der Europäischen Lärche ist die Tatsache, dass sie sowohl Kurztriebe als auch Langtriebe besitzt. Die frisch gebildeten langen einjährigen Trieben sind ringsherum benadelt, auf den älteren warzenförmigen Trieben (eben den Kurztrieben) sitzen die Nadeln gehäuft. Wie alle anderen Bäume auch bevorzugt die Europäische Lärche eigentlich lockere tiefgründige Böden mit guter Nährstoff- und Wasserversorgung. Da sie aber auch mit Sommertrockenheit und Winterfrösten gut zurecht kommt, hat sie ihren natürlichen Verbreitungsschwerpunkt im kontinentalen inneren Alpenraum, wo sie oft mit der Arve (= Zirbelkiefer) vergesellschaftet ist.

Sie ist nämlich vergleichsweise lichtbedürftig, weshalb sie auf normalen Standorten von den meisten anderen Baumarten verdrängt wird, die meist schattenertragender sind. Ein weiterer lokaler Verbreitungsschwerpunkt sind die Kammlagen windgebeutelter Mittelgebirge: die meisten anderen Baumarten erreichen auf klimatisch besonders gebeutelten Standorten durch Windbruch oder Schneebruch meist gar nicht erst die Reife für eine natürliche Fortpflanzung, was derLaerchenzapfen vergleichsweise sturmresistenten Lärche dort zu einem erheblichen Wettbewerbsvorteil verhilft. Neben der für Nadelbäume überdurchschnittlich hohen Holzfestigkeit des Stammholzes hat die Lärche noch einen besonderen Trick bei überdurchschnittlich hohen Witterings-Belastungen: sie trennt sich im Zweifelsfall von einigen (ausladenden) Ästen, was Laerche33zwar einen gewissen Verlust an Nadelmasse (und somit leicht stagnierende Zuwächse) bedingt. Diese „Bauernopfer“ reichen aber in der Regel aus, um den Gesamtorganismus des restlichen Baumes weiterhin zu halten. Das Holz der Lärche ist nicht nur relativ stabil sondern durch die natürliche Verkernung auch vergleichsweise resistent gegenüber Holz zersetzenden Pilzen, weshalb die Lärche im Außenbereich gern unbehandelt für Holzbalkone, Carports etc. verwendet wird. Das größte Problem hierbei ist die Tatsache, dass sich Lärchenholz bei wechselnden Feuchtigkeitsgehalten stark verwirft – das Holz „arbeitet“ also sehr stark. Dies ist bei sonst vergleichsweise ähnlichen Eigenschaften bei der Douglasie nicht der Fall, weshalb die Lärche im Holzbau im Außenbereich zunehmend von der Douglasie verdrängt wird. Allgemein neigt die Laerche38Europäische Lärche zu Säbelwuchs, d.h. das unterste (und an sich wertvollste) Stammstück ist oftmals stark gebogen, weshalb die Europäische Lärche zumindest im Forst oft durch die Japanische Lärche (Larix kaempferi) ersetzt wird. Unterscheiden lassen sich die beiden Arten am Besten anhand der Zapfen und anhand der einjährigen Triebe: die Europäische Lärche hat eiförmige Zapfen mit kaum geöffneten Zapfenschuppen, während die Japanische Lärche etwas gedrungenere Zapfen hat, bei denen die Zapfenschuppen an den Rändern rosenblütenartig umgebogen sind. Die einjährigen Lang-Triebe der einheimischen Lärche schimmern eher gelblich, während die japanische Lärche eher rötliche einjährige Triebe hat.