Baum des Jahres 2014

Traubeneiche (Quercus petraea)Traubeneiche

Familie: Buchengewächse (Fagaceae)

Gattung: Eichen (Quercus)

Die Traubeneiche ist die seltenere der beiden in Deutschland heimischen Eichenarten. Die Stieleiche ist verbreiteter. Beide Eichen gelten als wärmeliebend, lichtbedürftig und trockenheitstolerant. In der Natur wird die Traubeneiche vor allem auf niederschlagsarme Standorte abgedrängt, während die Stieleiche auch im sporadisch überfluteten Bereich der Tieflandflüsse wächst. Im „Heisterblock“ im Spessart wächst die Eiche besonders langsam und deshalb besonders engringig, was zu äußerst wertvollem Eichenfurnierholz führt.

EichentracheenEichen sind Ringporer. Das bedeutet, dass zu Beginn der Vegetationszeit im sich neu bildenden Jahresring fast ausschließlich große Wasserleitungsbahnen, so genannte Tracheen, gebildet werden. Erst im späteren Sommer wird dann das eigentliche typisch harte Eichenholz gebildet. Eichenholz mit engen Jahrringen ist daher optisch zwar sehr schön, hat aber nicht die typische Festigkeit und Härte, für die die Eiche sonst bekannt ist.

Eichenholz mit breiteren Jahrringen ist besonders stabil und aufgrund der Gerbstoffe und phenolischen Verbindungen im dunkler gefärbten Kernholz auch besonders langlebig. Eichenholz wird daher seit jeher als Konstruktionsholz verwendet, vor allem im Schiffs- und Hausbau. Aber auch Dampferstege, Pfahlbauten und die früheren Eisenbahnschwellen wurden meist aus Eichenholz gefertigt. EichenwirrlingWegen seiner Gerbstoffe fand Eichenholz aber auch bei der Ledergerbung Verwendung und wird außerdem auch heute noch für Barriquefässer besonders hochwertiger Rotweine gesucht. Vor allem in Portugal wird aus Eichen Kork gewonnen. Eicheln, die Früchte des Baumes, waren früher eine wichtige Nahrungsquelle für Hausschweine, die zur Mast in lichte Hutewälder mit tief bekronten Alteichen getrieben wurden. Darüber hinaus sind die Eicheln nahrhafte Früchte für verschiedene Wildtiere, wurden aber insbesondere in Zeiten der Knappheit auch als Kaffeersatz verwendet. Ferner fungieren Eicheln als beliebtes Bastelobjekt für Kinder.

Die Früchte der Traubeneiche stehen stets in größeren, traubenähnlichen Fruchtständen. Die Blätter der Traubeneiche haben längere Stiele als die der Stieleiche. EichenfeuerschwammNicht die Blattform sondern der Fruchtstand ist hier entscheidend für die Namensgebung. Ansonsten kann man die beiden heimischen Eichenarten nur an der Knospenform unterscheiden (einmal eher rundlich, einmal spitzeiförmig mit fünf längsgezogenen Kanten), nicht aber am Holz.

Die Ausbreitung von Pathogenen (Krankheitserreger) im Eichenholz wird nicht nur durch giftige Kerninhaltsstoffe erschwert, sondern auch durch die besonders hohe Dichte breiter Holzstrahlen – hier befinden sich ausgesprochen viele Parenchymzellen, die die aktive Abwehr gegen Feinde des Baumes darstellen. Lebendes Eichenholz wird daher nur von wenigen besonders angepassten Pilzen besiedelt, beispielsweise vom Schwefelporling, dem Eichenwirrling und dem Eichenfeuerschwamm. SchwefelporlingDie mehrjährigen Konsolen des Eichenfeuerschwamms sind meist in unmittelbarer Nähe von Spechthöhlen zu finden.

Unrühmliche Bekanntheit hat der Eichenprozessionsspinner[1] erlangt, ein wärmeliebender Falter der gesundheitliche Problemen beim Menschen hervorruft: Die Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners können ab dem dritten Raupenstadium zu erheblichen Hautreizungen führen. Das Insekt hat durch den einsetzenden Klimawandel zunehmend neue Regionen besiedelt, während der klassische Eichenblattfresser früherer Zeiten, der Maikäfer, kaum noch zu finden ist. Ansonsten sind alte Eichen mit Mulmhöhlen ein Refugium für einige Insektenarten, die fast nur in alten Eichen mit einem ganz bestimmten Zersetzungsgrad Allergie durch Eichenprozessionsspinnerzu finden sind und daher zu den besonders gefährdeten Rote-Liste-Arten gehören. Hierzu zählen zum Beispiel Heldbock, Hirschkäfer, aber auch der Rosenkäfer und der „Eremit“.