Baum des Jahres 2016

Winterlinde (Tilia cordata)

Tanzlinde

Familie:

Gattung: 

Die Winterlinde hat herzförmige Blätter und wird daher auch Herzblattlinde genannt – auch im wissenschaftlichen Namen ist der lateinische Begriff cors/cordis (= Herz) enthalten. Freilich ist die Linde nicht nur etwas für‘s Herz und Gemüt, gilt aber dennoch als besonders weiblicher Baum. Der altsprachliche Begriff ‚lind‘ ist vielen zwar nicht mehr geläufig, dennoch können die meisten aber mit dem Begriff ‚lindern‘ etwas anfangen, v.a. bei Krankheiten: den Schmerz lindern. Und tatsächlich werden die Lindenblüten seit jeher genutzt um Lindenblütentee daraus zu machen, der bei verschiedensten Beschwerden lindernd wirkt. Die Linde ist also auch wohltuend, nicht zuletzt aufgrund ihres imposanten Wuchses – neben der Kronenausladung sind auch die möglichen Stammdimensionen sehr eindrucksvoll, ebenso wie das erreichbare Alter. In Deutschland bzw. Mitteleuropa wird nur die Eibe älter, die Eiche ist etwa ähnlich in der Lebenserwartung wie die Sommerlinde (die gut 1000 Jahre alt werden kann) und die Winterlinde kann immerhin 700-800 Jahre alt werden.

Tanzlinde Limmersdorf

An dieser Stelle muss nun zumindest kurz erwähnt werden, dass die Winterlinde eigentlich eine häufig anzutreffende Baumart ist: da sie genügsam und schattenertragend ist, kommt sie in vielen verschiedenen natürlichen Waldgesellschaften vor, wenngleich vor allem in gut mit Wasser und Nährstoff versorgten Auwäldern sowie in Schluchtwäldern. Und dann eben vielfach von Menschen an exponierten Standorten gepflanzt, z.B. als Gerichtslinde, Friedenslinde, Dorflinde oder Tanzlinde. Ja, tatsächlich wurden Linden auch über Jahrhunderte hinweg als Tanzbäume genutzt, d.h. man hat die unteren Äste so gezogen, dass man Plattformen für Tanzveranstaltungen darauf anbringen konnte.

Tanzlindenmodell


Die früheren Nutzungen bei den Linden sind in den Hintergrund getreten und wohl auch vielfach in Vergessenheit geraten. Nur wenige nutzen noch die Lindenblüten oder das leicht beartbeitbare weiche Lindenholz zum Drechseln oder Schnitzen; viele Kirchenund Kapellen bzw. deren Altäre wurden früher aus Lindenholz gemacht (der typische scheinbar leicht muffige Geruch dort ist meist das Lindenholz, das man riecht). Das weiche Holz ist hell ohne besondere Merkmale und nicht besonders stabil, aber eben sehr leicht und gut zu bearbeiten. Immerhin gilt die Winterlinde aber als guter Fäuleabschotter sowie allgemein als vergleichsweise unempfindliche Baumart, was sie wiederum speziell für innerstädtische Verwendungen besonders interessant macht; und auch als Lebensraum für seltene Tierarten, die auf Mulmhöhlen bzw. allgemein Totholz angewiesen sind. Die Sommerlinde ist da deutlich anspruchsvoller, was die Standortbedingungen anbelangt. Die beiden Arten kann man übrigens relativ einfach an den Winterknospen sowie den Sommerfrüchten unterscheiden: die zweite Knospenschuppe bei den Knospen der Winterlinde reicht meist über 2/3 der Knospe, bei der Sommerlinde meist nur 1/3 (merke: im Winter ist der Mantel länger als die Jacke im Sommer). Die Frucht der Winterlinde ist kugelig und filzig, die der Sommerlinde glatt und fünfkantig zugespitzt. Allerdings ist es noch wesentlich komplizierter, die Linden zu unterscheiden, eben weil Linden so beliebt sind: man hat viele Züchtungen gemacht, weshalb für den Laien echte reine Winterlinden der Urart kaum zu erkennen sind, zumal bei uns doch auch noch diverse weitere Varietäten Verwendung finden wie z.B. Kaiserlinde, Krimlinde, Silberlinde usw. Der einzige nennenswerte Nachteil der Linde ist das „Honigen“, d.h. durch rege Blattlaustätigkeit wird von den Blattläusen übriger Baumsaft, so genannter Honigtau, ausgeschieden, der dann von den Blättern tropft und z.B. auf Sitzmöbeln oder Autos klebt bzw. dann noch von Rußpilzen besiedelt wird, was lästig ist und unschön aussieht.Ansonsten ist speziell die Winterlinde aber eine Baumart, der eine gute Zukunft beschieden sein dürfte, auch angesichts des Klimawandels. 

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