Baum des Jahres 2017

Fichtenwald_4

Gemeine Fichte, Rotfichte (Picea abies)

Die gemeine Fichte gilt speziell in Deutschland – noch – als Brotbaumart der Forstwirtschaft; keine andere Baumart erzielt im Reinbestand höhere Hektarerträge, weil die Fichte insbesondere größeren Dichtstand verträgt als die anderen Baumarten und dabei noch vergleichsweise raschwüchsig ist. Daher wurde sie flächig im Forst angepflanzt.

Der Name Rotfichte kommt von der rötlichen Rindenfarbe im Jugendalter, während die schuppige Borke älterer Bäume eher grau ist. Das Holz wird als klassisches Bauholz verwendet, z.B. auch für Dachlatten. Besonders engringige Fichte aus Hochlagen wird als Klangholz für die Decken und Böden von Geigen verwendet. Auch die Maibäume v.a. in Süddeutschland sind meist aus Fichte.

Reinbestände kommen in der Natur kaum vor, allenfalls am Rand von Hochmooren bzw. in höheren Lagen im Gebirge, im letzteren Fall in so genannten Rottenstrukturen, d.h. spindelförmige langgestreckte Baumgruppen aus 20-40 Individuen. Ansonsten kommt die Fichte als Mischbaumart im Bergmischwald gemeinsam mit Rotbuche, Bergahorn, Weißtanne und Bergulme vor. Falls die Spitze einer Fichte z.B. durch zu viel Schnee abbricht, richten sich einer oder mehrere Triebe des obersten Astquirles auf und bilden Ersatztriebe. Zum Schutz vor Schneebruch hängen bei Bergfichten die benadelten Zweige an Ästen senkrecht nach unten, sodass im Gegensatz zu seitlich verzweigten Ästen die Auflagefläche für Schnee extrem reduziert wird, sodass es bei Bergfichten kaum Schneebrüche gibt. Die Nadeln der Fichten kommen nicht direkt aus dem Trieb sondern sitzen auf kleinen verholzten Nadelpolstern, sodass man alle Fichten daran gut von anderen Nadelholzarten unterschieden kann.

Fichtenbluten

Hohe Erträge aus Reinbeständen gibt es allerdings nur, wenn alles passt: da die Fichte relativ Wasser bedürftig ist, wächst sie nicht oder schlecht in niederschlagsarmen Gebieten oder auf Sandböden. Bei hoch anstehendem Grundwasser wurzelt sie extrem flach und ist dann sehr windwurfgefährdet, bei Staunässe ist sie zudem sehr anfällig für Rotfäule, zweiteres auch auf kalkhaltigen Standorten. Zudem wird sie in Reinkultur gerne durch Borkenkäfer dahingerafft: bis etwa 20 cm Stammdurchmesser meist vom Kupferstecher, ab 20 cm meist vom Buchdrucker. Da die Borkenkäfer bei Wärme und Trockenheit besonders gut gedeihen, während die Fichte hingegen dann zugleich besonders wenig widerstandsfähig ist, wird der Fichte aufgrund des Klimawandels zumindest in tieferen Lagen bald ein mehr oder weniger natürliche Ende beschieden sein.

Allgemein ist die Fichte eine Halbschattbaumart, die wenig frostanfällig ist und somit auch auf der Freifläche gepflanzt werden kann, zudem wird sie insbesondere vom Rehwild kaum verbissen oder verfegt. Vereinzelt kann es aber dennoch zu Frostschäden kommen – umgekehrt geht die Fichte bei zu viel Beschattung auch ein.

Verjüngungstechnisch ist die Fichte ein genialer Stratege: die windbestäubten Blüten werden meist üppig bestäubt, weshalb der gelbe Pollenstaub nicht nur auf Autos sondern eben auch auf den weiblichen Blüten landet, sodass meist auch viele Fichtenzapfen wachsen, welche die Samen enthalten. Einige Samen fallen in die Stockachseln alter Bäume, wo sie geschützt aufwachsen. Überdies keimen Fichtensamen im Gegensatz zu den Samen anderer Baumarten auch auf Totholz, was man Rannenverjüngung nennt. Bei den älteren Rannenfichten fault dann das alte Totholz weg und man kann unter den Rannenfichten hindurchsehen.

Die Fichtenzapfen fallen im Ganzen zu Boden und können als Hygrometer verwendet werden: geschlossene Zapfen auf der Fensterbank zeigen hohe Luftfeuchtigkeit bzw. ein nahendes Tiefdruckgebiert an, bei geöffneten Zapfen herrscht ein stabiles Hochdruckgebiet mit schönem Wetter.