Baum des Jahres 2019

Flatterulme (Ulmus laevis)

habitus_einer_ulme

Die Ulme bzw. deren Holz wird auch als Rüster bezeichnet. Möglicherweise steckt in diesem Wort der gleiche Wortstamm wie im Begriff ‚Rüstung‘. Jedenfalls ist Ulmenholz sehr hart und an sich recht dauerhaft. Und sehr schön in der Zeichnung, weil die Ulme ein Ringporer ist – wie die Eiche, Esche, Edelkastanie, aber z.B. auch die Gleditschie. Überdies bildet die Ulme einen echten Kern aus – am schönsten ist der schokobraune der Feldulme, aber auch die Flatterulme hat sehr schönes Holz.

[Wer einmal gut essen möchte und das auf dekorativen Tischen aus Ulmenholz, der gehe in das Klosterstüberl in Ursberg.]

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Auffallend ist – bei allen Ulmen – der wellenartige Aufbau der Jahrringstrukturen. Und das asymmetrische Blatt (mit stark gesägtem Blattrand), das immer auf einer Seite des Blattstieles länger ist als auf der anderen Seite; charakteristisch ist auch das raue Gefühl, wenn man ein Blatt berührt – die Blatthaare fühlen sich an wie ein Stoppelbart, besonders ausgeprägt bei der Bergulme. Und die Knospen sind stets mehrfarbig; meist macht der Jahrestrieb an einer Knospe einen auffälligen Knick nach der anderen Seite, sodass Ulmentriebe im Zickzack wachsen.

ulmenholz

Weiterhin typisch für Ulmen sind die Samenfrüchte, die in Fingernagel große papierartige Flügel eingebettet sind, wodurch sie vom Wind extrem weit verbreitet werden können.

Die Ulme verträgt grundsätzlich größere Trockenperioden (wie alle ringporigen Baumarten), speziell die Flatterulme ist aber eigentlich vor allem in den Hartholzauen der größeren Flüsse vertreten, wo es regelmäßig zu kürzeren Überflutungen kommt. Die Flatterulme verträgt also sowohl Trockenheit als auch sporadisch nasse Füße – das kann sonst fast keine Baumart.

Sehr auffällig sind die teilweise extrem brettartig ausgebildeten Wurzelanläufe der Flatterulme – das gibt es sonst bei keiner einheimischen Baumart, nur bei Sumpfbäumen in den Tropen.

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Die Ulme gilt eigentlich als genügsame Baumart, auch was klimatische Bedingungen oder städtische Straßenstandorte anbelangt. Aber: viele Ulmen wurden in den letzten Jahrzehnten durch das Ulmensterben hingerafft – eine auch als Holländische Ulmenkrankheit bekannte pilzliche Erkrankung. Hier bringt der Ulmensplintkäfer beim Einbohren in Äste oder Stamm als so genannter Vektor (= Überträger) Sporen des verursachenden Pilzes in die Ulme, die mit dem Verschluss der Wasserleitungsbahnen durch so genannte Thyllenbildung reagiert, damit der Pilz sich nicht weiter ausbreiten kann. Aber genau damit schneidet sich die Ulme selbst von der Wasserversorgung ab und vertrocknet. Ulmen transportieren nämlich das Wasser für die Photosynthese der Blätter fast ausschließlich im jüngsten Jahrring – und nicht wie die anderen Baumarten im Splintholz in rund 10 Jahrringen.

rinde_und_wurzelanlaeufe

Immerhin ist die Flatterulme anscheinend weitgehend resistent gegen das Ulmensterben – im Gegensatz zu Feldulme und Bergulme. Die einjährigen Triebe der Flatterulme sind flaumig behaart und die Blätter haben keine gegabelten Blattnerven, so kann man sie gut von den beiden anderen einheimische Ulmenarten unterscheiden.

Und noch etwas Ulmen typisches: sie treiben relativ spät im Jahr  aus – auch dies haben sie gemeinsam mit anderen ringporigen Baumarten. Und sie werfen im Herbst ihr Laub weitgehend unverfärbt wieder ab, weil sie meist auf Standorten wachsen, die reich an Nährstoffen sind – und da muss man schließlich keine Blattinhaltstoffe wiederverwerten….

blaetter_aus_stockausschlag